Aktualisiert PKV bei Vorerkrankungen

PKV trotz Vorerkrankung: Bewertung + Strategie 2026

Welche Vorerkrankung führt zu Risikozuschlag, Leistungsausschluss oder Ablehnung, und welcher Weg führt trotzdem in die PKV? Branchen-Daten 2026 zu Diabetes, ADHS, Depression, Asthma, Adipositas und weiteren Diagnosen, plus die Sonderregeln für Beamte und der Weg über die anonyme Voranfrage.

anonym kostenfrei ohne Antrag
Typischer Risikozuschlagbei Annahme mit Vorerkrankung 10–50 %
Beamten-ÖffnungsaktionAnspruch, keine Ausschlüsse max. 30 %
Anonyme Voranfrageparallel angefragte Versicherer 4–8
Das Wichtigste in Kürze

Als „Vorerkrankung“ gilt jede ärztlich dokumentierte Diagnose innerhalb der Abfragezeiträume (ambulant 3 J., stationär 5–10 J., psychisch bis 10 J.). Versicherer reagieren darauf mit Normalannahme, Risikozuschlag (10–50 %), Leistungsausschluss oder Ablehnung. Beamte profitieren von der Öffnungsaktion: Die teilnehmenden Versicherer nehmen sie garantiert auf, mit maximal 30 % Zuschlag und ohne Ausschlüsse. Bei klinisch relevanten Diagnosen ist die anonyme Voranfrage der Standard-Weg, um vor dem Klarnamen-Antrag verbindlich zu klären, welche Versicherer zu welchen Konditionen annehmen.

01 Was bedeutet „Vorerkrankung“ in der PKV?

Im PKV-Kontext umfasst eine Vorerkrankung jede ärztlich diagnostizierte oder behandelte Erkrankung, die in den Abfragezeitraum des Antrags fällt. Versicherer dürfen nach allen gefahrerheblichen Umständen fragen, die ihre Risikokalkulation beeinflussen (§ 19 VVG).

Faktisch definiert der Versicherer, was als Vorerkrankung zählt. Während eine einmalige Erkältung oft als Bagatelle gilt, kann eine vermeintlich harmlose Schilddrüsenuntersuchung bereits zu einem Risikozuschlag führen, falls sie auf eine chronische Entwicklung hindeutet. Im Zweifel gilt: Dokumentieren und geben Sie alle Befunde an.

Maßgeblich sind neben akuten Behandlungen auch Diagnosen ohne laufende Therapie (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis ohne Medikation), regelmäßige Medikamenteneinnahmen sowie frühere Operationen. Bei psychischen Erkrankungen reicht der Abfragezeitraum oft bis zu zehn Jahre zurück.

02 Wie der Versicherer Vorerkrankungen prüft

Vor dem Vertragsschluss prüft der Versicherer Ihre Gesundheitshistorie detailliert. Dies unterliegt der vorvertraglichen Anzeigepflicht (§ 19 VVG). Sie müssen alle gefahrerheblichen Umstände vollständig und wahrheitsgemäß offenlegen.

Abfragezeiträume: typische Branchenpraxis

  • Ambulante Arztbesuche: 3 Jahre
  • Stationäre Aufenthalte: 5–10 Jahre
  • Psychische Behandlungen: bis zu 10 Jahre
  • Medikamente: 1–3 Jahre oder aktuell
  • Sonderfälle: Einzelne Versicherer fragen unbegrenzt nach unbehandelten Beschwerden, andere zeitlich unbegrenzt nach bestehenden Krankheiten.

Aktuelle Rechtsprechung

Urteile der letzten Jahre haben die Beweislast und die Schwellen für eine Anfechtung präzisiert:

  • BGH 19.03.2025 (IV ZR 204/23): Der Versicherer trägt die Beweislast für korrekte Beitragsanpassungen. Versicherte dürfen die Rechtmäßigkeit mit Nichtwissen bestreiten, ohne eigene Kalkulationsfehler nachweisen zu müssen.
  • OLG Hamm 2024: Verschweigt ein Versicherungsfachmann bewusst Arztbesuche, kann dies als arglistige Täuschung gewertet werden. Der Versicherer darf den Vertrag dann anfechten.
  • LG Kiel 2025: Eine Anzeigepflichtverletzung rechtfertigt nicht automatisch eine Anfechtung. Versicherer müssen jeden Einzelfall prüfen, bevor sie Verträge rückwirkend kündigen.
  • BVerwG März 2026 (6 C 7.24): PKV-Versicherer dürfen Diagnosedaten aus Erstattungsrechnungen nicht ohne ausdrückliche Einwilligung für Datenmatching oder Vorsorgeprogramme verwenden.

Praxis-Tipp: Wer Diagnosen gewissenhaft dokumentiert und angibt, ist vor einer späteren Anfechtung geschützt, selbst wenn einzelne Befunde übersehen wurden. Vorsätzliches Verschweigen hingegen riskiert die Anfechtung über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren (§ 21 Abs. 3 VVG).

Anzeigepflicht
Die Pflicht, alle gefahrerheblichen Umstände wahrheitsgemäß anzugeben (§ 19 VVG).
Risikozuschlag
Ein prozentualer Beitragsaufschlag, üblicherweise zwischen 10 % und 50 %.
Leistungsausschluss
Bestimmte Behandlungen bleiben dauerhaft vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.
Anfechtung
Rückwirkende Nichtigkeit des Vertrags bei arglistiger Täuschung (§ 21 Abs. 3 VVG, § 124 BGB), bis zu 10 Jahre möglich.

03 Mögliche Antwort-Szenarien

Versicherer reagieren auf PKV-Anträge mit Vorerkrankungen auf vier Arten:

  1. Annahme ohne Einschränkungen: Sie erhalten den Wunsch-Tarif zum Standard-Beitrag. Dies geschieht meist nur bei Bagatell-Diagnosen oder weit zurückliegenden, folgenlosen Erkrankungen.
  2. Annahme mit Risikozuschlag: Der Beitrag erhöht sich um meist 10–50 %, selten bis zu 100 %. Zuschläge können befristet oder dauerhaft sein.
  3. Annahme mit Leistungsausschluss: Behandlungen für die spezifische Diagnose und deren Folgen sind nicht versichert. In der privaten Krankenversicherung ist das selten. Eine Aufnahme unter Ausschluss von Psyche, Rheuma, Colitis ulcerosa oder Bandscheibe gibt es nicht.
  4. Ablehnung: Es kommt kein Vertrag zustande, jedenfalls bei diesem Versicherer. Ein anderer Versicherer prüft nach eigenen Regeln und kann anders entscheiden. Welche Wege nach einer Ablehnung durch die PKV bleiben, haben wir gesondert zusammengestellt.

Bei relevanten Diagnosen nutzen wir die anonyme Risikovoranfrage als Standardverfahren. So testen wir diese Szenarien bei mehreren Anbietern gleichzeitig, ohne dass eine Ablehnung Ihre künftigen Chancen schmälert.

Voranfrage

Welches der vier Szenarien erwartet Sie?

Wir fragen Ihre Diagnose ohne Namen bei mehreren Versicherern gleichzeitig an. Erst danach entscheiden Sie, wo Sie den Antrag stellen.

04 Öffnungsaktion: der Sonderweg für Beamte

Für Beamte und deren Angehörige existiert ein garantierter Zugang zur PKV, unabhängig von der Schwere einer Vorerkrankung. Grundlage ist eine freiwillige Selbstverpflichtung der teilnehmenden privaten Krankenversicherer.

  • Garantierte Aufnahme mit einem gedeckelten Risikozuschlag von maximal 30 %.
  • Keine Leistungsausschlüsse zulässig.
  • Greift bei fast jeder Diagnose: Auch bei Diabetes Typ 1, ADHS, Depression oder Adipositas Grad III, die regulär zur Ablehnung führen würden.
  • 6-Monatsfrist: Der Antrag muss innerhalb von sechs Monaten nach der Verbeamtung (auf Lebenszeit, Probe oder Widerruf) gestellt werden.
  • Schutz für Angehörige: Ehepartner und Kinder können innerhalb dieser Frist ebenfalls mitversichert werden, selbst bei eigenen Vorerkrankungen (wichtig z. B. bei Kindern mit ADHS).

Wichtiger Hinweis: Für Beamte mit erheblichen Vorerkrankungen ist die Öffnungsaktion oft die einzig gangbare Strategie. Die Frist ist absolut. Wird sie versäumt, gilt die Deckelung auf 30 % nicht mehr. Ein späterer Wiedereinstieg ist nicht möglich.

Anzeigepflicht: Auch im Rahmen der Öffnungsaktion müssen Sie alle Diagnosen wahrheitsgemäß angeben. Der Versicherer lehnt Sie zwar nicht ab, benötigt aber eine korrekte Datenbasis, um den Vertrag rechtssicher zu führen.

Quelle: PKV-Verband-Merkblatt zur Erleichterten Aufnahme für Beamte.

05 Diagnosen und ihre PKV-Bewertung 2026

Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen Branchen-Spannen 2026 für häufige Diagnosen. Da jeder Versicherer individuell kalkuliert, dienen diese Werte als realistische Orientierung. Eine verbindliche Klärung erfolgt ausschließlich über die anonyme Voranfrage.

Diagnose Bewertung Branchen-Mainstream 2026
Diabetes Typ 1 (insulinpflichtig)Im regulären Antrag fast immer Ablehnung. Beamte über Öffnungsaktion: max 30 % Zuschlag, keine Ausschlüsse
Diabetes Typ 2 (gut eingestellt, < 50 J., HbA1c < 7,0, keine Folgeschäden)25–30 % Zuschlag bei Großanbietern; DKV / Barmenia / Signal Iduna oft moderater
Diabetes Typ 2 mit Folgeschäden (Nephropathie, Retinopathie u. a.)Ablehnung oder Zuschlag ab 50–100 %
ADHS bei laufender Medikation oder aktiver TherapieMeist Ablehnung
ADHS symptomfrei seit > 3 J., ärztliches Attest, stabile Berufstätigkeit10–30 % Zuschlag möglich
ADHS + Komorbidität (Depression / Angst / Sucht)Praktisch immer Ablehnung
Depression abgeschlossen, beschwerdefrei > 3 J.20–30 % Zuschlag (einmalig leichte Episode: teils 0–20 %)
Rezidivierende Depression (≥ 2 Episoden in 10 J.)40–50 % Zuschlag oder Ablehnung
Hashimoto / Schilddrüsenunterfunktion (stabile L-Thyroxin-Therapie)0–30 % Zuschlag, oft Normalannahme; Barmenia / Alte Oldenburger / Signal Iduna 0–15 %
Leichtes Asthma (saisonal, gut kontrolliert)15–35 %; Barmenia 15 %, DKV 16–19 %, Signal Iduna 30–31 %
Schweres Asthma (Dauermedikation, Hospitalisierungen)Häufig Ablehnung; entscheidend sind die Kosten der Dauermedikation
Bandscheibenvorfall mit oder ohne OP, beschwerdefreiindividuell, 0–50 % Zuschlag
Bandscheibenvorfall, OP angeraten, nicht durchgeführtbeschwerdefrei möglich, mit Beschwerden keine Aufnahme
Chronische / rekurrente Rückenschmerzen40–50 % Zuschlag, bei anhaltenden Beschwerden häufig Ablehnung
BMI 25–29,9 (Übergewicht)In der Regel kein Zuschlag wegen des Gewichts
BMI 30–34,9 (Adipositas Grad I)Risikozuschlag, Höhe je nach weiteren Befunden
BMI 35–39,9 (Adipositas Grad II)Nur ohne weitere Erkrankungen Chancen, sonst meist Ablehnung
BMI 40–44,9 (Adipositas Grad III)Sehr wahrscheinlich Ablehnung (Ausnahme: Beamten-Öffnungsaktion)
BMI ab 45Praktisch nicht versicherbar (Ausnahme: Beamten-Öffnungsaktion)
Abgeschlossene Anpassungsstörung (> 5 J. her)0–20 % Zuschlag je nach Anbieter

Diese Bewertungen basieren auf Branchen-Spannen und der Versicherer-Praxis 2026 (Quellen: kvoptimal.de, marcusknispel.com, befuture-invest.de, covago.de). Die individuelle Annahme hängt vom Verlauf, der Medikation, dem Beruf und dem jeweiligen Versicherer ab.

Depression: Was Risikoprüfer bewerten

Bei Depressionen entscheiden drei Faktoren über die Annahme: der Therapieabschluss, die Dauer der Beschwerdefreiheit und die Rezidivneigung. Eine einmalige, leichte Episode mit klarer Abschlussdokumentation und mindestens drei Jahren ohne Behandlung und Beschwerden akzeptieren die meisten Großanbieter mit 20–30 % Zuschlag. In sehr günstigen Fällen (junges Alter, klarer Auslöser wie Trauerfall) ist sogar eine Normalannahme möglich.

Bei rezidivierenden Episoden (zwei oder mehr in zehn Jahren) steigt das Ablehnungsrisiko massiv. Bei chronischem Behandlungsbedarf bleibt die Ablehnung der Regelfall. Wichtig für den Antrag: ein Facharzt-Schreiben, das den Verlauf und die Beschwerdefreiheit explizit bestätigt. Welche Versicherer im konkreten Fall mitgehen und zu welchen Konditionen, klärt eine anonyme Voranfrage bei mehreren Anbietern parallel.

Asthma: Schweregrad und Versicherer-Spannen

Asthma wird nach Schweregrad und Kontrollstatus differenziert. Leichtes, saisonales oder gut kontrolliertes Asthma (seltene Spray-Anwendung, normale Lungenfunktion) wird oft mit 15–35 % Zuschlag angenommen. Ein Beispiel: Ein gut eingestellter Asthmatiker zahlt bei der Barmenia ca. 15 %, bei der DKV 16–19 % und bei Signal Iduna 30–31 % Zuschlag.

Schweres Asthma mit täglicher Kortison-Inhalation oder Krankenhausaufenthalten führt meist zur Ablehnung. Einen dauerhaften Ausschluss der Atemwege spricht die private Krankenversicherung dabei nicht aus, sie entscheidet zwischen Zuschlag und Ablehnung. Ausschlaggebend ist aus unserer Praxis, wie teuer die laufende Medikation den Versicherer kommt. Die Details zu Belastungsasthma, Hyposensibilisierung und den annehmenden Gesellschaften stehen im Ratgeber zur PKV trotz Asthma und Allergie.

ADHS

Bei der PKV-Bewertung von ADHS zählt der Behandlungsstatus: Bei laufender Medikation oder Therapie droht meist die Ablehnung. Besteht seit mindestens drei Jahren Symptomfreiheit ohne Behandlung (ärztlich attestiert, die Mindestschwelle) bei stabiler Berufstätigkeit, sind Zuschläge von 10–30 % realistisch. Eine Aufnahme unter Ausschluss psychischer Leistungen gibt es nicht. Beamte können ADHS über die Öffnungsaktion mit maximal 30 % Zuschlag ohne Ausschlüsse versichern. Welche Versicherer in welcher Konstellation annehmen, vertieft der Ratgeber zur Annahme nach Behandlungsstatus.

Bandscheibenvorfall

Beim Bandscheibenvorfall in der PKV-Risikoprüfung ist der Zuschlag bei einem beschwerdefreien Vorfall individuell, von 0 bis 50 %, mit oder ohne Operation. Ist eine OP angeraten, aber nicht durchgeführt, zählt die Beschwerdefreiheit: Beschwerdefrei ist die Aufnahme möglich, mit Beschwerden nicht. Chronische Rückenschmerzen führen häufig zur Ablehnung. Einen Ausschluss des Bandscheibenleidens gibt es nicht. OP-Methode, Lokalisation und Komorbiditäten verschieben die Bewertung erheblich.

Rückenleiden ohne Bandscheibenvorfall

Ein reines LWS- oder HWS-Syndrom ohne Bandscheibenvorfall bewerten Versicherer milder als einen strukturellen Bandscheibenschaden. Funktionelle Rückenbeschwerden ohne laufende Behandlung führen häufig zu Zuschlägen zwischen 0 und 25 Prozent. Einen Ausschluss vergibt beim reinen Rückenleiden kaum ein Versicherer, beim Bandscheibenvorfall gibt es ihn nicht. Bei dauerhaften oder chronifizierten Beschwerden droht eher die Ablehnung. Den Unterschied zur Annahme nach einem echten Bandscheibenvorfall vertieft die jeweils eigene Detailseite.

Psychotherapie

Bei der PKV-Bewertung von Psychotherapie-Anamnesen sind abgeschlossene Therapien nach mindestens drei, besser fünf Jahren ohne Behandlung und Beschwerden meist annahmefähig. Die Zuschläge spannen sich zwischen 0 und 30 %, in Einzelfällen darüber. Bei laufender Therapie ist eine Annahme die seltene Ausnahme. Welcher Anbieter im konkreten Fall mitgeht und zu welchen Konditionen, klärt eine anonyme Voranfrage bei mehreren Versicherern parallel.

Ihre Diagnose

Wo liegt Ihr Befund innerhalb dieser Spannen?

Die Werte in diesem Abschnitt sind Orientierung. Wie mehrere Versicherer Ihren eigenen Verlauf bewerten, zeigt die anonyme Voranfrage, bevor ein Antrag mit Ihrem Namen läuft.

Hashimoto und Schilddrüse

Bei Hashimoto und anderen Schilddrüsenerkrankungen ist die isolierte, stabil eingestellte Form häufig versicherbar. Typische Zuschläge liegen zwischen 0 und 25 Prozent, bei neuer Diagnose oder aktiver Einstellungsphase eher bei 20 bis 30 Prozent oder einer Zurückstellung. Bösartige Schilddrüsen-Karzinome sind auch nach Therapie in der regulären Antragstellung praktisch nicht versicherbar. Der wichtigste Hebel für die Versicherbarkeit sind die Begleitdiagnosen, weniger die Werte selbst.

Neurodermitis

Bei Neurodermitis in der PKV-Risikoprüfung entscheidet der Schweregrad. Eine leichte, kaum behandelte Form führt häufig zu gar keinem Zuschlag, eine mittlere mit aktiver Cortison-Behandlung zu einem Risikozuschlag. Schwere oder therapieresistente Verläufe und eine laufende Biologika-Therapie führen dagegen meist zur Ablehnung. Einen Haut-Ausschluss spricht die PKV dabei nicht aus, sie arbeitet mit Zuschlag oder lehnt ab. Kinder-Neurodermitis ist besonders entspannt, weil sie sich oft auswächst.

Rheuma

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew oder Psoriasis-Arthritis gehören zu den schwierigeren Diagnosen. Bei dauerhafter Medikation steht häufig die Ablehnung, weil eine chronische, laufend behandelte Erkrankung vorliegt. Gelingt die Aufnahme, liegt der Risikozuschlag meist zwischen 10 und 50 Prozent, ab etwa 50 Prozent intern folgt die Pauschalablehnung. Die Entscheidungen der Versicherer gehen weit auseinander, weshalb die anonyme Voranfrage bei mehreren Anbietern parallel hier besonders wichtig ist.

Erhöhtes Cholesterin

Bei erhöhten Cholesterinwerten entscheidet vor allem die Behandlung. Nur erhöhte Werte ohne Medikament kommen häufig ohne Zuschlag durch, eine dauerhafte Statin-Einstellung führt dagegen oft zur Ablehnung. Die Kombination aus Cholesterin, Bluthochdruck und Übergewicht ist regulär praktisch chancenlos und für Beamte eher ein Fall für die Öffnungsaktion. Der einzelne Laborwert wie ein LDL von 130 sagt für die Risikoprüfung wenig aus, es zählt das Gesamtbild.

Colitis ulcerosa und Morbus Crohn

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind in der regulären Vollversicherung kaum versicherbar, auch in Remission, weil laufende Kontrollen und Medikamente als andauernde Behandlung gelten. Eine Aufnahme unter Leistungsausschluss gibt es nicht. Realistisch bleiben für Beamte die Öffnungsaktion oder ein guter Zusatzschutz in der GKV. Eine reguläre Aufnahme wird erst nach mehreren Jahren ganz ohne Behandlung denkbar.

Bluthochdruck

Bei Bluthochdruck entscheidet weniger die Diagnose als die Medikation. Ein nur diagnostizierter, unbehandelter Hochdruck ist meist ohne Probleme versicherbar. Sobald dauerhaft Blutdrucksenker eingenommen werden, prüfen die Versicherer strenger, und dokumentierte Folgeschäden an Herz, Nieren oder Augen sind das eigentliche Risiko. In Kombination mit erhöhten Blutfetten und Übergewicht wird eine Aufnahme in der Praxis kaum erreichbar.

Weitere Vorerkrankungen

Diese Diagnosen begegnen uns regelmäßig in der Beratung:

  • Diabetes Typ 1 und Typ 2 mit Folgeschäden: Außerhalb der Beamten-Öffnungsaktion meist nicht versicherbar.
  • Übergewicht / Adipositas: Bis BMI 30 in der Regel ohne Zuschlag, ab BMI 30 mit Risikozuschlag, ab BMI 35 nur ohne weitere Erkrankungen, ab BMI 40 meist Ablehnung. Bewertet wird das Gewicht zum Zeitpunkt des Antrags, wer vorher abnimmt, verbessert seine Chancen.
  • Allergie / Heuschnupfen: Ohne Komplikationen meist Normalannahme.
  • Tinnitus: Der Zuschlag ist individuell, in einem Fall aus unserer Praxis lag er bei rund 25 %. Die anonyme Voranfrage klärt ihn vor dem Antrag.
  • Migräne: Auch mit Aura meist Annahme, teils mit Zuschlag. Kritisch wird es erst bei sehr häufigen Anfällen, etwa einmal pro Woche.
  • Bluthochdruck (Hypertonie): Gut eingestellt meist 0–15 % Zuschlag; bei weiteren Risikofaktoren (BMI, Diabetes) höher.
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06 Strategien für die erfolgreiche Antragstellung

Fünf Faktoren verbessern Ihre Annahmechancen und Konditionen spürbar:

  • Therapieabschluss belegen: Ein Facharzt-Attest mit dem Datum der Beschwerdefreiheit ist bei psychischen und chronischen Diagnosen das stärkste Argument im Antrag.
  • Wartezeiten nutzen: Bei psychischen Erkrankungen sind drei Jahre ohne Behandlung und Beschwerden die Mindestschwelle, fünf Jahre der sichere Abstand. Bei körperlichen Diagnosen zählt die aktuelle Stabilität oft mehr als die reine Wartezeit.
  • Spezialisierte Makler wählen: Experten für Vorerkrankungen kennen die Annahmerichtlinien genau und fragen gezielt anonym an, statt blind Anträge zu streuen.
  • Vollständige Befunde einreichen: Wer Arztberichte und Laborwerte sofort vorlegt, beschleunigt die Voranfrage und vermeidet Rückfragen, die oft als Risiko-Indikator gewertet werden.
  • Strikte Wahrheitspflicht: Verschweigen Sie nichts. Selbst kleine Diagnosen gehören in den Antrag. Eine später entdeckte Lücke kann als arglistige Täuschung gewertet werden. Der Vertrag bleibt dann zehn Jahre lang anfechtbar.
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07 Was tun bei Risikozuschlag oder Leistungsausschluss?

Ein Voranfrage-Ergebnis ist nicht immer das letzte Wort. Diese Wege stehen Ihnen offen:

  • Nachverhandlung: Bei neueren, positiven Befunden können wir über den Makler oft bessere Konditionen aushandeln.
  • Parallel-Anfragen: Da Versicherer Diagnosen unterschiedlich gewichten, liefert eine breite Voranfrage bei 4–8 Anbietern oft eine akzeptable Lösung.
  • Erneute Anfrage nach Wartezeit: Nach 1–3 Jahren stabiler Gesundheit kann eine neue Voranfrage zu deutlich besseren Konditionen führen.
  • Zuschlag später loswerden: Ist der Grund weggefallen, können Sie die Herabsetzung nach § 41 VVG verlangen. Beim Wechsel in einen günstigeren Tarif Ihres Versicherers nach § 204 VVG kann der Zuschlag entfallen, wenn Sie sich einer erneuten Gesundheitsprüfung unterziehen. Wie beides geht, zeigt der Ratgeber Risikozuschlag entfernen.

08 Wenn alle Versicherer ablehnen: Ihre Optionen

Basistarif nach § 193 Abs. 5 VVG

Scheitern alle regulären Versuche, greift der gesetzliche Auffangtarif: der Basistarif (§ 193 Abs. 5 VVG i. V. m. § 152 VAG). Hier besteht Kontrahierungszwang für alle PKV-Versicherer.

Ein Sonderfall liegt außerhalb der Gesundheitsprüfung: Versicherer prüfen vor der Annahme auch die Bonität. Was bei einer negativen Schufa möglich ist, haben wir in einem eigenen Ratgeber beschrieben.

  • Höchstbeitrag 2026: 1.017,18 € / Monat (BTN, ohne Beihilfe)
  • BTB50 (Beihilfe): 508,59 € / Monat
  • Leistungsumfang: Entspricht dem GKV-Niveau (keine Wahlleistungen).
  • Keine Zuschläge oder Ausschlüsse: Die Aufnahme erfolgt unabhängig von Vorerkrankungen.
  • Sozial-Tarif: Bei Hilfebedürftigkeit halbiert sich der Beitrag; Zuschüsse durch Sozialträger sind möglich.
  • Voraussetzung: PKV-Vertragsschluss ab 2009.

Quelle: PKV-Verband, Tarifübersicht 2026; weitere Hinweise bei der Verbraucherzentrale.

Standardtarif (für Bestand vor 2009)

Wer vor 2009 in die PKV eintrat und seit mindestens 10 Jahren versichert ist, kann in den Standardtarif wechseln.

  • Höchstbeitrag 2026: 848,62 € / Monat (STN/STB)
  • Selbstbehalt-Anpassung 1.7.2026: Der Eigenanteil für Heil- und Verbandsmittel steigt von 306 € auf 500 € jährlich.

Verbleib in der GKV

Sind Sie pflichtversichert oder freiwillig versichert und liegen unter der Versicherungspflichtgrenze (2026: 77.400 €), ist der Verbleib in der GKV bei schweren Vorerkrankungen oft die wirtschaftlich klügere Wahl.

09 Anonyme Voranfrage als sicherer Lösungsweg

Aus unserem Bestand von 29 privaten Krankenversicherern wählen wir gezielt diejenigen 4 bis 8 aus, die Ihre Diagnose am realistischsten bewerten. Die anonyme Risikovoranfrage ist dabei das Standardverfahren bei relevanten Vorerkrankungen: wir prüfen Ihre Versicherbarkeit, ohne dass Ihr Name in den Datenbanken der Versicherer erscheint.

Unser PKV-Maklerpool

Allianz
Alte Oldenburger
ARAG
AXA
Barmenia
Concordia
Continentale
DEVK
DFV Deutsche Familienversicherung
Die Bayerische
DKV Deutsche Krankenversicherung
ENVIVAS
ERGO Direkt
Gothaer
Hallesche
HanseMerkur
INTER
LKH Landeskrankenhilfe
Mecklenburgische
Münchener Verein
Nürnberger
R+V
SDK Süddeutsche Krankenversicherung
Signal Iduna
UKV Union Krankenversicherung
uniVersa
Versicherungskammer Bayern
vigo Krankenversicherung
Württembergische
  • Keine Akte unter Ihrem Namen: Selbst eine Absage in der Voranfrage lässt sich keinem Namen zuordnen.
  • Breite Marktabdeckung: Wir fragen parallel bei 4–8 passenden Versicherern an.
  • Gültigkeit: Die Bewertungen sind meist 3–6 Monate bindend.
  • Erfahrungswerte aus unserer Beratungspraxis (2026): Etwa 30–40 % erhalten eine Normalannahme oder moderate Zuschläge; rund 40 % müssen mit hohen Zuschlägen oder einer Ablehnung rechnen.
  • Kostenfrei: Unsere Beratung wird durch die Courtage des gewählten Versicherers vergütet.

Informationen zum Verfahren bietet die Verbraucherzentrale.

Brauchen Sie neben der privaten Krankenversicherung auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung, fragen wir beide parallel an. Die BU bewertet viele Vorerkrankungen anders, häufig mit einem Ausschluss der betroffenen Erkrankung. Wie das für einzelne Diagnosen aussieht, steht im Ratgeber zur Berufsunfähigkeitsversicherung trotz Vorerkrankung.

Mehr zur anonymen Voranfrage und zum Formular →

10 Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Vorerkrankungen sind in der PKV ein Problem?
Aus Branchen-Praxis 2026: Diabetes Typ 1 führt im regulären Verfahren fast immer zur Ablehnung. Diabetes Typ 2 ist bei jüngeren Versicherten mit gutem HbA1c und ohne Folgeschäden mit 25–30 % Zuschlag möglich. Adipositas ab BMI 40 (ab BMI 35 mit weiteren Erkrankungen), schweres Asthma mit Dauermedikation und rezidivierende Depressionen werden meist abgelehnt. Bagatell-Diagnosen (leichte Allergien, gut eingestellte Schilddrüse) führen oft zur Normalannahme.
Muss ich auch Bagatell-Erkrankungen angeben?
Ja. § 19 VVG verpflichtet zur Angabe aller gefahrerheblichen Umstände, nach denen der Versicherer fragt. Was als Bagatell gilt, entscheidet der Versicherer, nicht Sie. Auch leichte oder abgeschlossene Diagnosen müssen wahrheitsgemäß angegeben werden. Fehlt der Eintrag, kann das später zur Anfechtung führen.
Wie wirkt sich Übergewicht auf die PKV aus?
Maßgeblich ist der BMI zum Zeitpunkt des Antrags. Unter BMI 30 gibt es wegen des Gewichts in der Regel keinen Zuschlag, ab BMI 30 verlangen die Versicherer einen Risikozuschlag. Ab BMI 35 besteht nur ohne weitere Erkrankungen eine Chance, ab BMI 40 ist eine Ablehnung sehr wahrscheinlich, ab BMI 45 ist eine Aufnahme praktisch ausgeschlossen. Wer vor dem Antrag abnimmt, wird mit dem Gewicht zum Antragszeitpunkt bewertet. Beamte können innerhalb der Öffnungsaktion unabhängig vom BMI aufgenommen werden.
Kann ich PKV mit Diabetes Typ 2 abschließen?
Bei jüngeren Versicherten unter 50 mit HbA1c < 7,0 ohne Folgeschäden ist eine Annahme mit 25–30 % Risikozuschlag möglich, häufig bei DKV, Barmenia oder Signal Iduna. Bei diabetischer Nephropathie, Retinopathie oder anderen Folgeerkrankungen steigen Zuschläge auf 50–100 % oder es kommt zur Ablehnung. Eine anonyme Voranfrage klärt verbindlich, welche Konditionen Ihr Fall erlaubt.
Werden Allergien und Heuschnupfen in der PKV problematisch?
Saisonale Allergien und Heuschnupfen ohne Komplikationen werden in der Regel ohne Zuschlag akzeptiert. Asthma in Verbindung mit Allergien wird strenger bewertet (15–35 % Zuschlag bei leichtem Asthma, häufige Ablehnung bei schwerem Verlauf mit Dauermedikation).
Wie lange muss eine Therapie abgeschlossen sein, bevor PKV-Antrag sinnvoll ist?
Bei psychischen Diagnosen (Depression, Angststörung, Anpassungsstörung) gelten mindestens 3 Jahre ohne Behandlung und ohne Beschwerden als Schwelle für die Annahme, besser 5 Jahre, vorher meist Ablehnung. Eine Aufnahme unter Ausschluss psychischer Leistungen gibt es nicht. Bei körperlichen Erkrankungen wie Bandscheibenvorfall oder Asthma ist die aktuelle Stabilität entscheidender als die Wartezeit. Eine ärztliche Abschluss-Dokumentation („Beschwerdefreiheit seit X") ist immer ein wichtiger Pluspunkt.
Was passiert, wenn ich eine Vorerkrankung verschweige?
Das ist eine Anzeigepflichtverletzung nach § 19 VVG. Bei einfacher Fahrlässigkeit ist Rücktritt ausgeschlossen; bei grober Fahrlässigkeit kann der Versicherer innerhalb von 5 Jahren ab Vertragsschluss anpassen oder zurücktreten (§ 21 Abs. 3 VVG). Bei Vorsatz oder arglistiger Täuschung ist Anfechtung innerhalb von 10 Jahren möglich. Der Vertrag wird dann rückwirkend nichtig, gezahlte Versicherungsleistungen sind rückforderbar.
Kann ich Zuschläge oder Leistungsausschlüsse später wieder loswerden?
Ja, aber nur auf Antrag. Ist der Grund für einen Risikozuschlag weggefallen, können Sie nach § 41 VVG verlangen, dass der Versicherer ihn herabsetzt. Bei einem Wechsel in einen anderen Tarif Ihres Versicherers kann er entfallen, wenn Sie sich einer erneuten Gesundheitsprüfung unterziehen. Auch ein bestehender Ausschluss lässt sich nach Jahren ohne Beschwerden in der Regel nachverhandeln. Beim Anbieterwechsel wird dagegen komplett neu geprüft.
Was ist der Basistarif und wer kann ihn beantragen?
Der Basistarif (§ 193 Abs. 5 VVG i. V. m. § 152 VAG) ist eine gesetzliche Auffangleistung. Alle PKV-Versicherer müssen ihn anbieten, ohne Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse. Der Höchstbeitrag 2026 liegt bei 1.017,18 € monatlich (BTN, normale Tarifstufe) bzw. 508,59 € (BTB50 mit 50 % Beihilfe-Anspruch). Voraussetzung: Sie sind nach 2009 in die PKV eingetreten. Die Leistungen entsprechen GKV-Niveau (keine Wahlleistungen, keine Chefarztbehandlung).
Welche Sonderregelung gilt für Beamte mit Vorerkrankungen?
Beamte und ihre Familienangehörigen haben eine Aufnahmegarantie in der PKV mit maximal 30 % Risikozuschlag und ohne Leistungsausschlüsse, auch bei schweren Diagnosen wie Diabetes Typ 1, ADHS oder Adipositas. Voraussetzung: der Antrag muss innerhalb von 6 Monaten nach Verbeamtung gestellt werden (sogenannte Öffnungsaktion). Verpasst, ist diese Sonderregelung nicht mehr nutzbar.
Wie lange ist eine anonyme Voranfrage-Bewertung gültig?
Eine positive Rückmeldung aus der anonymen Voranfrage ist in der Regel 3 bis 6 Monate bindend, sofern der spätere namentliche Antrag keine relevanten Abweichungen enthält. Innerhalb dieses Fensters können Sie den Antrag bei dem Versicherer stellen, der das beste Angebot abgegeben hat.
Was kostet der Basistarif 2026 maximal?
Der Höchstbeitrag im Basistarif 2026 beträgt 1.017,18 € monatlich (BTN, normale Tarifstufe ohne Beihilfe) oder 508,59 € monatlich (BTB50, mit 50 % Beihilfe). Für sozial Hilfebedürftige reduziert sich der Beitrag auf die Hälfte, zusätzliche Sozialhilfeträger-Zuschüsse sind möglich. Quelle: PKV-Verband, Tarifübersicht 2026.
Max Eilert, Geschäftsführer Elbland Finanz

Max Eilert

Geschäftsführer Elbland Finanz · Versicherungsmakler IHK

„Bei Anträgen mit Vorerkrankungen entscheiden drei Faktoren über den Erfolg: eine ehrliche Dokumentation, die gezielte anonyme Voranfrage und die nötige Geduld bei der Auswahl des passenden Versicherers.“

11 Termin mit Max buchen oder anonyme Voranfrage starten

Zwei Wege, einer reicht: Buchen Sie direkt ein kostenfreies Erstgespräch mit Max Eilert oder füllen Sie die anonyme Risikovoranfrage aus. Sie erhalten das Ergebnis in 5 bis 10 Werktagen, ohne verbindlichen Antrag und kostenfrei.

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