- ADHS ist im PKV-Antrag anzeigepflichtig (§ 19 VVG). Ein Verschweigen ermöglicht die Anfechtung nach § 124 BGB innerhalb von 10 Jahren.
- Bei laufender Stimulanzien-Therapie (Methylphenidat, Elvanse) ist die Ablehnung im regulären Antrag der Regelfall.
- Seit mindestens 2 Jahren symptomfrei, ohne Medikamente, belegt durch Attest und stabile Berufstätigkeit: Annahme mit 10 bis 30 Prozent Zuschlag möglich.
- ADHS plus Komorbidität (Depression, Angst, Sucht) führt praktisch immer zur Ablehnung.
- Beamte und ADHS-Kinder haben über die Öffnungsaktion einen Anspruch auf Aufnahme, maximal 30 Prozent Zuschlag, ohne Leistungsausschlüsse.
- Die anonyme Risikovoranfrage ist der einzige sichere Weg, Ihre Versicherbarkeit ohne HIS-Eintrag zu prüfen.
01 ADHS und private Krankenversicherung im Überblick
Die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS, ICD-10 F90.x) ist in Deutschland längst kein seltenes Phänomen mehr. Aktuelle Schätzungen gehen von einer Prävalenz von 2,5 bis 4,7 Prozent bei Erwachsenen und etwa 5 Prozent bei Kindern und Jugendlichen aus. Die Erstdiagnose-Inzidenz bei Erwachsenen ist zwischen 2015 und 2024 stark gestiegen.
Viele Betroffene fragen sich, ob ein Wechsel in die private Krankenversicherung trotz ADHS gelingen kann. Da Versicherer bei Vorerkrankungen besonders genau prüfen, nimmt ADHS in der Gesundheitsprüfung eine zentrale Rolle ein. Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Behandlungsstatus, etwaige Komorbiditäten und die Annahmerichtlinien des Versicherers geben den Ausschlag. Einen breiteren Überblick bietet unser Hauptratgeber zu PKV trotz Vorerkrankung.
02 Wie Versicherer ADHS einschätzen
Die Gesundheitsprüfung bildet die Basis für Ihre Aufnahme. Dabei werden alle bekannten Vorerkrankungen abgefragt, auch psychische und neurologische Diagnosen wie ADHS. Versicherer differenzieren meist zwischen drei Szenarien:
- ADHS im Kindesalter: Geprüft wird, ob die Diagnose weiterhin aktiv ist oder seit Jahren keine Symptome oder Behandlungen mehr dokumentiert wurden. Eine belegte Symptomfreiheit von mindestens 2 Jahren inklusive Attest ist die wichtigste Voraussetzung für eine moderate Bewertung.
- ADHS im Erwachsenenalter, aktiv behandelt: Bei laufender Behandlung, ob medikamentös oder therapeutisch, sehen Versicherer ein erhöhtes Risiko für Komorbiditäten wie Depressionen, Angststörungen oder Suchtprobleme. Da ein erheblicher Teil der betroffenen Erwachsenen Begleitdiagnosen aufweist, ist dies für die Risikoprüfung wesentlich.
- Medikamentöse Therapie: Die Einnahme von Stimulanzien wie Methylphenidat oder Lisdexamphetamin ist für die meisten Versicherer ein faktisches Ausschlusskriterium. Atomoxetin oder Guanfacin werden in der Regel analog bewertet.
03 Typische Entscheidungen der Versicherer bei ADHS
In der Praxis führen Voranfragen meist zu einem dieser drei Ergebnisse:
- Aufnahme mit Risikozuschlag: Der Beitrag erhöht sich um einen prozentualen Zuschlag, meist 10 bis 30 Prozent, selten bis 50 Prozent.
- Aufnahme mit Leistungsausschluss: Bestimmte Behandlungen, meist psychiatrische oder psychotherapeutische Leistungen, werden dauerhaft ausgenommen. Wir sehen einen Trend, dass Versicherer Ausschlüsse gegenüber reinen Zuschlägen bevorzugen. Während ein Zuschlag bei dauerhafter Beschwerdefreiheit später gesenkt werden kann, bleibt ein Ausschluss oft permanent.
- Ablehnung des Antrags: Bei aktiver Behandlung oder Begleiterkrankungen ist die Ablehnung der Regelfall.
Die folgende Tabelle skizziert typische Voranfrage-Ergebnisse 2026 bei psychischen Vorerkrankungen inklusive ADHS. Sie dient der Orientierung und ersetzt keine individuelle Prüfung:
| Versicherer | Typisches Voranfrage-Ergebnis 2026 |
|---|---|
| Anbieter A | Annahme mit dauerhaftem Ausschluss aller psychischen Erkrankungen; Nachversicherung ebenfalls ausgeschlossen |
| Anbieter B | 10 Prozent Risikozuschlag plus Ausschluss psychischer Erkrankungen; Überprüfung in 2 Jahren möglich |
| Anbieter C | Annahme mit Ausschluss psychischer Erkrankungen; Klausel-Überprüfung in 3 Jahren |
| Anbieter D | Annahme mit Ausschluss psychischer und psychosomatischer Erkrankungen; Überprüfung in 3 Jahren |
| Anbieter E | Ablehnung, Versicherungsschutz aus gesundheitlichen Gründen nicht angeboten |
| Beamte über Öffnungsaktion | Aufnahme garantiert, maximal 30 Prozent Zuschlag, keine Leistungsausschlüsse |
Welcher Versicherer nimmt Sie mit ADHS auf?
Beantworten Sie in vier Schritten Geburtsjahr, Beruf und Ihre ADHS-Historie: seit wann die Diagnose besteht, ob Sie aktuell Medikamente einnehmen und wie die letzte Behandlung verlaufen ist. Wir fragen mehrere Versicherer parallel an, ohne dass Ihr Name übermittelt wird und ohne Eintrag im HIS. Max Eilert meldet sich innerhalb von 24 Stunden mit den Tarifoptionen, die für Ihren Verlauf infrage kommen.
Ihre Basics
04 Beamten-Öffnungsaktion bei ADHS und der Sonderweg für Kinder
Beamte und Beamtenanwärter haben über die Öffnungsaktion einen rechtlichen Anspruch auf Aufnahme in einen beihilfekonformen PKV-Tarif. Das gilt ausdrücklich auch bei aktiver ADHS-Therapie und laufender Medikation, zu fest definierten Konditionen:
- Maximaler Risikozuschlag 30 Prozent, unabhängig von der Schwere des Falls.
- Keine Leistungsausschlüsse: auch ADHS-bezogene Behandlungen sind voll versichert.
- Garantierte Aufnahme: für teilnehmende Versicherer besteht Kontrahierungszwang.
- Strikte Frist: der Antrag muss innerhalb von 6 Monaten nach der Erstverbeamtung gestellt werden, auch auf Widerruf.
- Schutz für Angehörige: beihilfeberechtigte Ehepartner und Kinder können innerhalb derselben Frist mitversichert werden.
Besonderheit ADHS-Kinder: Für neu verbeamtete Eltern ist die Öffnungsaktion oft der einzige Weg, Kinder mit aktiver ADHS-Diagnose privat zu versichern. Im regulären Verfahren sind diese Kinder meist nicht versicherbar. Eine Ausnahme bildet die Neugeborenen-Aufnahme nach § 198 VVG: Wird ein Kind direkt nach der Geburt bei einem privat versicherten Elternteil angemeldet, entfällt die Gesundheitsprüfung komplett, eine spätere ADHS-Diagnose hat dann keine Auswirkungen auf den Bestand.
05 ADHS-Anzeigepflicht: Was Sie angeben müssen
Nach § 19 VVG müssen Sie ADHS im Antrag angeben. Die konkrete Pflicht richtet sich nach dem Wortlaut der Fragen. Die Reichweite hängt maßgeblich von der Formulierung ab:
- „Hatten Sie jemals eine psychische oder neurologische Erkrankung?" Hier müssen Sie auch eine ADHS-Diagnose aus der Kindheit angeben, selbst wenn diese Jahrzehnte zurückliegt.
- „Wurden Sie in den letzten 10 Jahren wegen ADHS behandelt?" In diesem Fall ist eine länger zurückliegende Diagnose nicht angabepflichtig, sofern keine aktuellen Beschwerden vorliegen.
Viele Versicherer nutzen bewusst offene Formulierungen, um auch weit zurückliegende Diagnosen zu erfassen. Eine anonyme Voranfrage über einen spezialisierten Makler hilft, die passende Strategie ohne rechtliche Risiken zu finden.
Wie ernst die Gerichte das Verschweigen nehmen, zeigt ein Beschluss des Oberlandesgerichts Dresden vom 28.01.2025 (4 U 1361/24): In einem Berufsunfähigkeits-Streitfall wurde das Verschweigen einer ADHS-Diagnose, der Ritalin-Medikation und von Begleitdiagnosen als arglistige Täuschung gewertet. Die Wertung lässt sich auf die PKV übertragen, weil dieselben Maßstäbe an die vorvertragliche Anzeigepflicht gelten. Bei arglistiger Täuschung kann der Versicherer den Vertrag nach § 124 BGB innerhalb von 10 Jahren anfechten, der Vertrag wird rückwirkend nichtig und bereits erbrachte Leistungen müssen zurückgezahlt werden.
06 Strategien für Antragsteller mit ADHS
Eine kluge Vorbereitung verbessert Ihre Annahmechancen deutlich. In der Beratungspraxis haben sich fünf Hebel bewährt:
- Vollständige, transparente Angaben. Angesichts der strengen Rechtsprechung ist eine lückenlose Darstellung Ihrer Gesundheitshistorie unerlässlich.
- Aussagekräftige ärztliche Unterlagen. Atteste, die Symptomfreiheit seit Jahren, keine Medikation und volle berufliche Leistungsfähigkeit belegen, stärken Ihre Position. Prüfen Sie Ihre Krankenakten vorab auf fehlerhafte Folgeeinträge alter Diagnosen.
- Die anonyme Risikovoranfrage. Der Goldstandard bei ADHS: Ein Makler fragt unverbindlich an, ohne dass Ihre Daten im HIS landen. So vermeiden Sie, dass eine namentliche Ablehnung Ihre zukünftigen Optionen blockiert.
- Prüfung alternativer Tarife. Ein späterer Wechsel in leistungsstärkere Tarife ist nach § 204 VVG oft ohne neue Gesundheitsprüfung möglich, ein bestehender Zuschlag bleibt dabei in der Regel erhalten.
- Parallele Prüfung von PKV und BU. Eine ADHS-Diagnose ist für beide Sparten relevant. Beide sollten parallel anonym angefragt werden, statt nacheinander, um negative Wechselwirkungen über HIS-Einträge zu verhindern.
Wer neben ADHS eine zweite Vorerkrankung mitbringt, sollte beide gemeinsam in derselben Voranfrage prüfen lassen. Häufig kombiniert sich ADHS mit einer Psychotherapie-Anamnese, einem Bandscheibenvorfall oder einer Schilddrüsenerkrankung.
07 Welche Nachteile hat eine ADHS-Diagnose?
Die Diagnose beeinflusst meist mehrere Bereiche Ihrer Absicherung:
- Ablehnungsrisiko: bei aktiver Therapie lehnen Versicherer reguläre PKV-Anträge fast immer ab.
- Leistungsausschlüsse: häufig werden psychiatrische Behandlungen komplett ausgeschlossen, eine Aufhebung ist nicht garantiert.
- HIS-Eintrag: ein abgelehnter namentlicher Direktantrag wird in der Regel im HIS vermerkt und erschwert spätere Anträge.
- Berufsunfähigkeitsversicherung: die BU prüft eine ADHS-Anamnese ebenfalls, ist in der Praxis aber oft zugänglicher als die PKV. Daher PKV und BU immer parallel anonym anfragen.
- Tarifwechsel: ein Wechsel nach § 204 VVG befreit nicht von einem einmal festgesetzten ADHS-Zuschlag.
08 Vorteile der PKV trotz ADHS
Gelingt die Aufnahme, bietet die PKV gerade bei ADHS Vorzüge:
- Schnellerer Zugang zu Spezialisten: kürzere Wartezeiten bei neuropsychiatrischen Fachärzten und Therapeuten.
- Moderne Medizin: Erstattung aktueller Medikamente und Therapieverfahren über das GKV-Niveau hinaus.
- Wahlleistungen: Behandlung durch den Chefarzt oder Unterbringung im Einbettzimmer, je nach Tarif.
- Erweiterte Kostenerstattung: je nach Tarif auch Coaching-Leistungen oder spezielle Verhaltenstherapien.
09 Wann die gesetzliche Krankenversicherung sinnvoller bleibt
In bestimmten Situationen bietet die GKV die stabilere Basis:
- Familienplanung: die beitragsfreie Familienversicherung für Kinder ist in der GKV ein großer Vorteil, außer für Beamte mit Öffnungsaktion.
- Berufliche Unsicherheit: bei schwankendem Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze bietet die GKV mehr Flexibilität als eine PKV mit ADHS-Zuschlag.
- Schwere Verläufe: erfordert die ADHS eine dauerhafte, intensive Begleitung, bietet die GKV eine solide Grundversorgung ohne Risiko von Leistungsausschlüssen.
Fehlende Leistungen lassen sich oft durch private Zusatzversicherungen gezielt ergänzen, etwa für stationäre Wahlleistungen oder Psychotherapie.
10 Häufige Fragen
Kann ich mit ADHS in die private Krankenversicherung?
Wie hoch ist der Risikozuschlag bei ADHS realistisch?
Welche Nachteile hat eine ADHS-Diagnose für Versicherungen?
Wie lange muss ich symptomfrei sein, bevor sich ein PKV-Antrag lohnt?
Mein Kind hat ADHS, kommt es in die PKV, wenn ich Beamter werde?
Welche ADHS-Medikamente sind ein Annahme-Hindernis?
Muss ich eine Jugend-ADHS-Diagnose im PKV-Antrag angeben?
Was passiert, wenn ich ADHS im Antrag verschweige?
Welche Versicherer prüfen ADHS pragmatischer?
Was passiert, wenn alle Versicherer ablehnen?
Wie lange ist eine Voranfrage-Bewertung gültig?
Was kostet die anonyme Risikovoranfrage?
11 Termin mit Max buchen oder anonyme Voranfrage starten
Zwei Wege, einer reicht: Buchen Sie ein kostenfreies Erstgespräch mit Max Eilert oder füllen Sie das Formular für die anonyme Risikovoranfrage aus. Wir prüfen Ihre ADHS-Konstellation parallel bei mehreren Versicherern, ohne Namensnennung und ohne Risiko eines HIS-Eintrags.
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Ihre Basics
Stand Juni 2026. Fachliche Einschätzungen aus der Beratungspraxis Elbland Finanz, keine Rechts- oder Steuerberatung. Angaben zur Annahmepraxis sind Orientierungswerte und hängen vom Einzelfall sowie vom jeweiligen Versicherer ab. Als Versicherungsmakler nach § 34d GewO werden wir im Erfolgsfall über die Courtage des Versicherers vergütet, für Sie bleibt die Beratung kostenfrei. Diese Seite ersetzt keine individuelle Beratung.

